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Generalstreik an Italienischen Theatern - Ende November sind weitere Streikmaßnahmen geplant 

Am 14.10.2005 blieben in Italien landesweit Kinos, Theater und Operhäuser geschlossen. Schauspieler, Musiker, Bühnenarbeiter, Kinobesitzer usw. protestierten damit gegen die Haushalts-Pläne der italienischen Regierung, im Jahr 2006 die öffentlichen Kulturetats um 35 Prozent zu kürzen. Prominente Regisseure wie Roberto Benigni, die Brüder Taviani, Ettore Scola, Nanni Moretti und viele andere beteiligten sich am Streik. Selbst die Existenz von berühmten Kulturstätten ist bedroht. Bereits in den vergangenen Jahren wurden in Italien insgesamt 464 Millionen Euro der öffentlichen Kulturbeträge gestrichen. Der aktuelle Gesetzesentwurf stößt auch innerhalb der Regierung auf Widerstand. Kulturminister Rocco Buttiglione warnte vor einer möglichen Schließung der Scala. Auch das Filmfestival in Venedig stünde vor dem Aus. Ende November soll es zu weiteren Streikmaßnahmen in Italien kommen.

In einem Aufruf wenden sich italienische Kulturschaffende an ihre deutschen KollegInnen:
"Es wäre schön, wenn Ihr euch mit uns solidarisiert, und uns im Kampf gegen Subventionsabbau unterstützt. Wir erhoffen uns, daß Ihr uns bei der Veröffentlichung und Verbreitung unseres Beitrags durch öffentlichen Aushang, Aufnahme in die Web-Page, Unterschriften-Sammlungen, eine eMail an die angegebene Adresse oder die Weiterleitung dieser eMail unterstützt."
"Wir haben die Befürchtung, daß ein solch ungeheures Vorgehen, und die gezielte Zerstörung der Theater- und Filmförderungsstrukturen, in einem der ältesten Kulturländer der Welt, Vorbild werden könnte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Regierungen, die unter ähnlichem wirtschaftlichem Druck stehen, diese Streichungen sich als Vorbild nehmen (ähnlich der Schließung des Schillertheaters in Berlin).
Wir fordern deshalb alle Kulturschaffenden zur Solidarität auf. Wir, die Kulturschaffenden müssen heute zeigen, daß jede weitere Streichung nicht zu Einsparungen sondern zur Schließung und Beseitigung von Kultur führt. In einer Welt in der die Globalisierung gerade erst beginnt, müssen wir Stellung beziehen und aufzeigen, daß gerade das Gut Kultur Global ist." 

 

Aufruf
Generalstreik an Italienischen Theatern am Fr. den 14.10.2005 

Die Italienische Regierung unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat in den letzten Tagen den neuen Haushalt für das Jahr 2006 verabschiedet. Im neuen Haushalt ist festgeschrieben, daß der FUS (Fondo unico dello spettacolo) von 464 Mio. € auf 300 Mio. € gekürzt wird. Die im internationale Vergleich ohnehin schon geringen Subventionen von 0,2% des Bruttoinlandsprodukts (letzter Platz im europäischen Vergleich hinter Portugal 0,9% und Frankreich 1,3%) würden dadurch um weitere 40% geschrumpft. Hintergrund dieser Streichung ist, daß gewaltige italienische Haushaltsdefizit etwas zu verringern und näher an den europäischen Stabilitätspakt zu rücken.
Aus dem von der Kürzung betroffenen Etat werden diverse Kultureinrichtungen wie die Theater und die Filmförderung subventioniert. Eine so massive Kürzung des Kulturfonds hätte die Schließung vieler Theater und viele nicht mehr realisierbare Filmprojekte in Italien zur Folge. Man geht inzwischen davon aus, daß 60.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.
Aus diesem Grund streiken heute in Italien spontan alle Theater und viele Kinos. Die Streik-Maßnahmen wurden einvernehmlich zwischen den Theaterleitungen, den Angestellten und Ensembles beschlossen.
Der Direktor des Opernhaus Teatro Regio di Torino, Walter Vergnano sagte in einem Interview mit la Repubblica, daß mit den geplanten Subventionen lediglich die Personalkosten der Festangestellten Mitarbeiter für die nächsten 12 Monate abgesichert wären. Es bleibe dann weder Geld für Neuproduktionen noch für Wiederaufnahmen.
Die Scala di Milano hat verlautbaren lassen, daß diese Budgetstreichungen nicht abgefangen werden können, und zu einer Schließung des Hauses führen
Selbst Roberto Benigni hat auf die heutige Premiere seines neuen Films verzichtet. Die Premiere, die heute in Italien mit über 800 Kopien anlaufen sollte, ist aus Solidarität mit den Kulturschaffenden in Italien auf morgen verschoben.
Ziel der landesweiten Streikmaßnahmen ist die Information der Zuschauer und der Öffentlichkeit. Es liegen Unterschriftenlisten aus, in denen man sich solidarisch zu den Theater- und Filmemachern zeigen kann.
Wir haben die Befürchtung, daß ein solch ungeheures Vorgehen, und die gezielte Zerstörung der Theater- und Filmförderungsstrukturen, in einem der ältesten Kulturländer der Welt, Vorbild werden könnte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Regierungen, die unter ähnlichem wirtschaftlichem Druck stehen, diese Streichungen sich als Vorbild nehmen (ähnlich der Schließung des Schillertheaters in Berlin).
Wir fordern deshalb alle Kulturschaffenden zur Solidarität auf. Wir, die Kulturschaffenden müssen heute zeigen, daß jede weitere Streichung nicht zu Einsparungen sondern zur Schließung und Beseitigung von Kultur führt. In einer Welt in der die Globalisierung gerade erst beginnt, müssen wir Stellung beziehen und aufzeigen, daß gerade das Gut Kultur Global ist.

Antworten, Reaktionen und Protestnoten bitte an:
Fax : 0039 0471 904259
eMail: slc.naz.servizi.industria@slc.cgil.it
Ende November soll es zu weiteren Streikmaßnahmen in Italien kommen. 

Posted: Mi - November 2, 2005 at 01:24 nachm.  
   
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